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Treffen in Istanbul: Russland und Ukraine verhandeln wieder


Stand: 29.03.2022 04:18 Uhr

Erstmals seit fast drei Wochen reden Vertreter der Ukraine und Russlands heute wieder direkt miteinander. Sie treffen sich in Istanbul – unter Vermittlung des türkischen Präsidenten Erdogan. Dieser sieht eine “positive Richtung”.

Vertreter Russlands und der Ukraine wollen heute in Istanbul erstmals seit fast drei Wochen wieder direkt über einen Waffenstillstand in der Ukraine verhandeln. Die Gespräche sollen bis Mittwoch dauern. Zu den zentralen Themen gehören nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj “Sicherheitsgarantien und die Neutralität” sowie der Status der Ukraine als “atomwaffenfreier Staat”. Eine Neutralität der Ukraine ist eine der russischen Hauptforderungen. Selenskyj sagte am Sonntag, seine Regierung werde die Frage “gründlich” prüfen.

Erste Verhandlungen auf Ministerebene am 10. März im türkischen Antalya hatten keine konkreten Fortschritte im Bemühen um eine Waffenruhe in der Ukraine gebracht. Seitdem wurden die Gespräche per Videokonferenz fortgesetzt. Beide Konfliktparteien bezeichneten sie zuletzt als “schwierig”.

“Es ist Putin, der das bis jetzt ablehnt”

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte im Vorfeld des Treffens, er halte telefonischen Kontakt zum ukrainischen Präsidenten Selenskyj und zu Kremlchef Wladimir Putin, es gehe in eine “positive Richtung”.

Ziel der türkischen Regierung ist ein direktes Treffen von Putin und Selenskyj. “Wir glauben, dass nur durch so ein Treffen der Krieg beendet werden kann”, sagte Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin. “Präsident Selenskyj ist bereit dafür. Es ist Putin, der das bis jetzt ablehnt.”

Russland hatte die Ukraine vor knapp fünf Wochen angegriffen. Die Kämpfe in der Ukraine gingen auch in den vergangenen Stunden weiter. Nach Angaben Selenskyjs habe das ukrainische Militär zwar Erfolge erzielt, die Lage bleibe aber angespannt.

In seiner abendlichen Videoansprache sagte Selenskyj, die russischen Besatzer seien aus der Stadt Irpin – einem Vorort von Kiew – zurückgedrängt worden. Es sei jedoch “noch zu früh, um von Sicherheit in diesem Teil unserer Region zu sprechen”. Die Russen kontrollierten nach wie vor die Gebiete im Norden Kiews. Auch in den Gebieten Tschernihiw, Sumy, Charkiw, Donbass und im Süden der Ukraine bleibe die Lage “sehr schwierig”.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Britischer Geheimdienst: Wagner-Söldner in Ostukraine

Nach Ansicht britischer Geheimdienste ist die private russische Sicherheitsfirma “Wagner Gruppe” in den Osten der Ukraine verlegt worden. Es werde erwartet, dass sie mehr als 1000 Söldner, darunter hochrangige Führer der Organisation, einsetzen, um Kampfhandlungen durchzuführen, heißt es in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Aufgrund schwerer Verluste und der weitgehend ins Stocken geratenen Invasion in die Ukraine sei Russland höchstwahrscheinlich gezwungen gewesen, Personal von Wagner für die Ukraine auf Kosten der Operationen in Afrika und Syrien neu zu priorisieren.

Die “Wagner Gruppe” gilt als Russlands “Schattenarmee”. Sie wird mit Krisenregionen wie Syrien, Libyen, der Zentralafrikanischen Republik und zuletzt auch Mali in Zusammenhang gebracht. Den Söldnern werden schwere Verstöße gegen Menschenrechte vorgeworfen, darunter Folter und gezielte Tötungen. Der Kreml bestreitet jegliche Verbindung zu der Söldner-Truppe.

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul



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