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Sogar das Rote Kreuz beißt sich an Putin die Zähne aus – mit schlimmen Folgen


„Grauenhaftes Ausmaß an Tod und Zerstörung“: Sogar das Rote Kreuz beißt sich an Putin die Zähne aus – mit katastrophalen Folgen

Seit fünf Wochen versucht Peter Maurer, Chef des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, die Lage der Menschen in der Ukraine zu verbessern. Doch sämtliche Versuche, Fluchtkorridore zu errichten oder humanitäre Hilfe in umkämpfte Städte zu bringen, sind gescheitert. Das Rote Kreuz ist “zutiefst besorgt” über die Entwicklung und fürchtet weiteres Leid für Alte, Kranke und Kinder.

Wenn Bomben fallen und Menschen leiden, bringen sie Hilfe und Hoffnung in die Welt, und das seit mehr als 150 Jahren: Die Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) versuchen, Menschen in bewaffneten Konflikten zu helfen, ihr Leben zu retten, ihre Würde zu schützen. Das war so im Ersten und Zweiten Weltkrieg, bei vielen anderen Auseinandersetzungen – und jetzt in der Ukraine.

Der Angriffskrieg von Kreml-Führer Wladimir Putin gegen das russische Nachbarland geht in die fünfte Woche. Die Bilanz ist verheerend: Zerbombte Städte, zerstörte Infrastruktur, viele Tote und Verletzte, Millionen Menschen auf der Flucht. Das Rote Kreuz, das derzeit an zehn Standorten mit rund 750 Helfern in der Ukraine präsent ist, zieht ein bitteres Fazit: „Die Zivilbevölkerung ist auch weiterhin einem grauenhaften und inakzeptablen Ausmaß an Tod, Zerstörung und Leid ausgesetzt.“

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Rotes Kreuz beklagt Sturheit der verfeindeten Kriegsparteien

Seit fünf Wochen versucht das IKRK verzweifelt, das Leiden der Zivilisten im Kampfgebiet zu lindern, ebenso die Not von verwundeten Soldaten und Kriegsgefangenen – leider vergeblich.

Peter Maurer, Präsident des IKRK mit Sitz in Genf, musste jetzt einräumen, dass seine Gespräche unter anderem mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow und Vize-Verteidigungsminister Alexander Fomin keinerlei Erfolg hatten. „Das IKRK ist zutiefst besorgt angesichts der Tatsache, dass die Parteien bislang nicht in der Lage waren, einen Konsens in zentralen Fragen zu erzielen, die nur sie konkret regeln können“, so Maurer.

Vorschläge zu sicheren Fluchtkorridoren, doch keine Einigung

Der Rotkreuz-Chef erklärte, seine Organisation habe „detaillierte Vorschläge“ zu sicheren Fluchtkorridoren sowie zur Evakuierung von Zivilisten etwa aus Mariupol gemacht. Doch die Konfliktparteien könnten sich auf „keine konkreten Vereinbarungen“ einigen, so Maurer. „Heute müssen Zivilpersonen eine lebensbedrohliche Flucht auf sich nehmen, obwohl es weder eine Feuerpause noch andere Vereinbarungen gibt, die ein sicheres Verlassen der Stadt ermöglichen würden.“

Die Streitkräfte vor Ort würden zudem verhindern, dass Hilfsgüter ins Kriegsgebiet gelangen könnten, so Maurer. „Der Zivilbevölkerung in Mariupol und anderen Frontgebieten, die nun schon seit Wochen ohne humanitäre Hilfe auskommen muss, läuft die Zeit davon.“

Hoffnung für 130 Waisenkinder aus Cherson schwindet

Das trifft auch auf die bis zu 130 Waisenkinder zu, die im südukrainischen Cherson festsitzen und auf eine sichere Fluchtroute aus der Stadt warten, um nach Deutschland zu kommen. Zwar bemüht sich das Auswärtige Amt unter Leitung von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) um eine schnelle Lösung. Doch nach den aktuellen Einschätzungen des Roten Kreuzes dürfte eine sichere Ausreise der Kinder in weiter Ferne liegen.

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Der IKRK-Präsident wirft den verfeindeten Konfliktparteien außerdem vor, sie würden gegen völkerrechtliche Verpflichtungen verstoßen. Er forderte Moskau und Kiew auf, das Rote Kreuz über die von ihnen festgehaltenen Kriegsgefangenen zu informieren und dem IKRK erlauben, sie zu besuchen. Maurer: „Die Parteien müssen konkrete Vorschläge für eine würdige Behandlung der Toten umsetzen, damit sie identifiziert, die Familien informiert und die Leichen zurückgegeben werden können.“

Rotes Kreuz dementiert Mitwirken an Zwangsevakuierungen

Vehement wehrt sich die Hilfsorganisation gegen „eine Welle von Falsch- und Desinformationen“ über die Arbeit des IKRK in der Ukraine. So kursiert die Behauptung, das Rote Kreuz habe bei Zwangsevakuierungen von Menschen mitgewirkt. „Das IKRK war und ist nicht an Zwangsevakuierungen oder Zwangstransfers von Zivilpersonen aus Mariupol oder einer anderen ukrainischen Stadt nach Russland beteiligt“, so die Helfer. „Wir würden niemals eine Maßnahme unterstützen, die sich gegen den Willen der Menschen richtet.“

Ukraine-Hilfe

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Mit solchen Berichten sollte das Rote Kreuz „in Verruf“ gebracht werden, so die Organisation. Die Möglichkeiten, in der Ukraine dringend benötigte humanitäre Hilfe zu leisten, seien dadurch ernsthaft „gefährdet“. Seit Ausbruch des Krieges hat das IKRK mehr als 500 Tonnen Sanitätsmaterial, Nahrungsmittel und Hilfsgüter in das Land gebracht, doch der Bedarf ist wesentlich höher. Peter Maurer forderte Moskau und Kiew nochmals eindringlich auf, das humanitäre Völkerrecht zu achten und „neutrale, unabhängige und unparteiische humanitäre Hilfe zu ermöglichen“.

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