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Klaus Mäkelä – Dirigent von hohen Graden – Meinung


Kaum zu glauben: Dieser Dirigent aus Finnland ist erst 26 Jahre alt und doch schon Chef zweier berühmter Orchester, des Oslo Philharmonic Orchestra seit Herbst 2020 und seit 2021 auch des Orchestre de Paris. Jetzt ist er darüber hinaus zum designierten Chefdirigenten des ehrwürdigen Concertgebouworkest in Amsterdam erklärt worden. Diese Position wird er erst 2027 voll antreten, aber bis dahin wird es mit den Amsterdamern eine rege Partnerschaft geben. Außerdem gastiert er bei zahlreichen Spitzenorchestern – in London, Cleveland, Chicago oder San Francisco. Auch in München ist er beim BR und den Philharmonikern wohlbekannt und debütiert 2023 bei den Berliner Philharmonikern. Dabei wirkt der schlanke Finne keineswegs wie ein nordischer Dirigierstar, sondern wie ein aufgeweckter Jungstudent.

Doch wenn Klaus Mäkelä sich dem Orchester zuwendet, den Stab hebt, dann strahlt er überraschende Sicherheit, Präsenz und Übersicht aus. Ruhig, versammelt, konzentriert vermag er seine Energie unmittelbar, ohne jedes Zögern, auf das Ensemble zu übertragen und damit auch aufs Publikum. Er fuchtelt weder ekstatisch herum noch gibt er sich mit geschlossenen Augen irgendwelchen Trancezuständen hin. Er wühlt und kämpft sich nicht schweißtreibend in die jeweilige Musik hinein oder verliert sich in romantischem Schwelgen. Nein, Mäkelä bleibt erfrischend klar, unsentimental, elastisch, flexibel, voll Freude an der stilistischen Vielfalt der Musik und unbedingt seinen Musikern zugewandt, ganz nach dem Motto seines legendären Lehrers Jorma Panula: “Sei hilfreich, aber störe nicht.”

Die Orchester gehen daher gespannt und wach auf seine deutliche, nie schwerfällige oder wichtigtuerische, sondern leichthändige, reaktionsschnelle Zeichengebung ein. Wer etwa, wie es Klaus Mäkelä beim BR-Symphonieorchester im Herbst 2021 gelang, den langsamen Satz aus Gustav Mahlers 4. Symphonie so behutsam im leisesten Pianissimo beginnen, in aller Ruhe den Streicherchorus aufbauen kann ohne jede Gewaltgeste und dann organisch ohne falsche Impulse den musikalischen Prozess zu steigern versteht wie hier geschehen, der ist ein Dirigent von hohen Graden.

Klaus Mäkelä, 1996 in Helsinki geboren, stammt aus einer Musikerfamilie: Schon der Großvater war Geiger und Bratscher, der Vater ist Cellist, die Mutter Pianistin, und die jüngere Schwester tanzt im finnischen Nationalballett. Schon mit zwölf Jahren fesselte ihn das Dirigieren, und so kam er bald an die Sibelius-Akademie, wo er Cello studierte und eben bei Jorma Panula das Dirigieren lernte. Panula, inzwischen 91 Jahre alt, ist der Vater des finnischen Dirigentenwunders: Ob Esa-Pekka Salonen oder Jukka-Pekka Saraste, ob Sakari Oramo oder Mikko Franck, ob Susanna Mälkki oder Santtu-Matias Rouvali, sie alle sind durch die entschieden an der Praxis orientierte, die jeweilige Persönlichkeit entwickelnde Schule von Panula gegangen. So auch Klaus Mäkelä, der als Cellist ebenfalls zu den Hochbegabten gehört und sich als Solist und Kammermusiker schon bei etlichen Orchestern bewährt hat.

Der Gefahr, als Jungstar schnell verheizt zu werden, ist sich Mäkelä so bewusst, wie ihn eine imponierende Furchtlosigkeit auszeichnet. Gefährlich werde es nur, wenn man nicht mehr neugierig sei, hat er in Interviews gesagt. Es gelte, den jeweiligen Klangcharakter der Orchester herauszuarbeiten ebenso wie die Eigenart der Werke unterschiedlichster Epochen zum Leben zu erwecken. Dass die ausgefuchsten Musiker der diversen Klangkörper diesem jungen Mann mit dem präzisen Schlag seiner Rechten und der gestaltenden Linken vertrauen, kann man mit Händen greifen. Er liebt es, höchst gegensätzliche Programme zu bauen, und will sich nicht auf Erfolgen ausruhen. Er versteht daher seine festen Engagements in Oslo, Paris und demnächst in Amsterdam als große Chance, zusammen mit diesen Orchestern zu wachsen und ebenso sie dabei weiterzuentwickeln. Herbert von Karajan hat einmal gesagt, Dirigent zu sein, sei ein Anlernberuf über dreißig Jahre hin und mehr. Ein Satz, der Klaus Mäkelä gewiss nicht schreckt, sondern im besten Sinne herausfordert.



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