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Israel ruft Touristen in Istanbul zu Rückkehr auf


Die Worte des israelischen Außenministers klangen dramatisch: „Wenn ihr bereits in Istanbul seid, kehrt so bald wie möglich nach Israel zurück“, sagte Yair Lapid am Montag. „Wenn ihr eine Reise nach Istanbul geplant habt – storniert sie. Kein Urlaub ist es wert, dass ihr euer Leben dafür riskiert.“ Nur Stunden später folgte eine offizielle Mitteilung des israelischen Nationalen Sicherheitsrats: Die bestehende Reisewarnung für die türkische Metropole wurde auf die vierte und höchste Stufe angehoben. Israelische Staatsbürger sollen die Stadt umgehend verlassen und Reisen dorthin bis auf Weiteres unterlassen. Den Hintergrund bildet, wie so oft in diesen Tagen, die Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran.


Christian Meier

Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

Schon zuvor galt für Istanbul sowie weitere Gebiete der Türkei eine Reisewarnung der dritten Stufe; das bedeutet, dass von nicht unabdingbaren Reisen abgeraten wurde. Die Begründung war die gleiche, die auch jetzt angegeben wurde: Besorgnis über mögliche iranische Anschlagsversuche auf Israelis – weltweit, aber vor allem in der Türkei. Diese Besorgnis hat sich nun noch einmal verstärkt: In der Mitteilung des Nationalen Sicherheitsrats vom Montag ist die Rede von „vermehrten iranischen Absichten, Israelis in der Türkei zu attackieren, insbesondere in Istanbul“.

Im Mai soll Anschlag vereitelt worden sein

Außenminister Lapid sprach von einer „realen und unmittelbaren Gefahr“, dass israelische Touristen in der Türkei Opfer von Entführungsversuchen oder Mordanschlägen durch iranische Agenten werden könnten. Erst am Sonntag hatten israelische Medien berichtet, dass vor etwa einem Monat ein solcher Anschlag vereitelt worden sei. Die israelische Regierung hatte zuvor eine Nachrichtensperre aufgehoben, über den Vorgang zu berichten. Demnach sollten mehrere israelische Staatsbürger in Istanbul entführt werden. Aufgrund eines israelischen Hinweises schritt der türkische Geheimdienst jedoch rechtzeitig ein.






















Lapid sagte am Montag, „israelische Sicherheitsorganisationen, das Außenministerium und das Ministerpräsidentenbüro“ seien in den vergangenen Wochen Teil einer „massiven Anstrengung gewesen, die israelische Leben gerettet hat“. Mit Blick auf die betroffenen israelischen Touristen sagte der Außenminister weiter: „Manche von ihnen sind zurück nach Israel gekommen und wissen nicht einmal, dass ihr Leben gerettet wurde.“ Schon zuvor hatte es mehrere Berichte über vereitelte iranische Versuche gegeben, Israelis zu entführen oder zu töten.

Ende Mai, also möglicherweise kurz nach der angeblichen vereitelten Entführung, wurde mitten am Tage in Teheran ein Oberst der Revolutionswächter erschossen. Sajjad Khodaei hatte der Al-Quds-Brigade angehört, die für Auslandseinsätze zuständig ist, er soll innerhalb der Organisation die Planung von Attentaten verantwortet haben. Iran machte Israel für die Ermordung des Revolutionsgardisten durch zwei Bewaffnete auf Motorrädern verantwortlich, und Präsident Ebrahim Raisi gelobte, man werde den Tod Khodaeis rächen. Wenige Tage darauf bekräftigte Israel die Reisewarnung für die Türkei und nannte als Grund die iranischen Drohungen.

Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums hatte am Montag, noch vor der Verschärfung der israelischen Reisewarnung, den iranischen Willen, Vergeltung für israelische Aktionen zu üben, grundsätzlich bekräftigt. Die „Antwort“ der Islamischen Republik würde jedoch in Israel selbst gegeben werden und nicht in einem Drittland, sagte Saeed Khatibzadeh. Der Kommandeur der Bodentruppen der iranischen Armee, Kiumars Heydari, warnte vor einer Woche Israel davor, „Fehler zu begehen“. In einem solchen Fall, sagte er laut einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, würde man „Tel Aviv und Haifa dem Erdboden gleichmachen“.

In Israel wird die Auseinandersetzung mit Iran oft als „Krieg zwischen den Kriegen“ bezeichnet. Ministerpräsident Naftali Bennett hat jüngst mehrmals darauf hingewiesen, dass Israel seit dem Beginn seiner Regierungszeit aktiver gegen Irans Aktivitäten in der Region vorgehe als zuvor.

Ein Teil dieser Auseinandersetzung spielt sich in Syrien ab, Israel attackiert dort regelmäßig Stellungen und Konvois iranischer und proiranischer Kräfte. Erst am Freitag wurde bei einem mutmaßlich von Israel ausgehenden Raketenangriff der Flughafen der syrischen Hauptstadt Damaskus schwer beschädigt. Der Flugverkehr wurde bis auf Weiteres eingestellt. Laut einem Bericht der in Großbritannien ansässigen Nichtregierungsorganisation „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ galt der Angriff Lagerhäusern, die von iranischen Milizen genutzt wurden. Israel wirft Iran vor, auf zivilen Flügen heimlich Waffen und Waffentechnologie nach Syrien zu transportieren.



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