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Inflation in Deutschland erreicht im April 7,4 Prozent


Der außergewöhnlich starke Preisanstieg geht weiter. Im April erreichte die Inflationsrate in Deutschland 7,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag nach einer ersten Schätzung mitteilte. Im März hatte sie bei 7,3 Prozent gelegen, im Februar bei 5,1 Prozent.

Inflationsraten von mehr als 7 Prozent hatte es in Deutschland zuletzt vor rund 40 Jahren gegeben. In der Europäischen Währungsunion hat die Inflation mit 7,4 Prozent sogar den höchsten Stand seit ihrer Gründung erreicht.

Gegenüber dem März hat es dabei eine bemerkenswerte Veränderung gegeben. Die Energiepreise steigen gegenüber dem Vorjahr nicht mehr ganz so stark, gegenüber dem Vormonat gehen sie zum Teil sogar leicht zurück. Dafür legen die Preise für Nahrungsmittel um so mehr zu. Darunter vor allem solche, die in irgendeiner Form vom Ukrainekrieg betroffen sind, wie Pflanzenöl und Erzeugnisse aus Getreide, beispielsweise Brot. Bei beidem gehörte die Ukraine zu den wichtigen Produzentenländern.

Bundesfinanzminister Christian Lindner zeigte sich angesichts der hohen Inflation besorgt. „Das ist eine Belastung für viele Menschen“, so Lindner. Eine so hohe Teuerungsrate gefährde die Stabilität der Wirtschaft und gehe zulasten von Investitionen, sagte der FDP-Vorsitzende am Donnerstag in Berlin. „Aus einer solchen wirtschaftlichen Lage kann sich eine tiefe Krise entwickeln.“ Deswegen entlaste die Bundesregierung bereits Unternehmen und private Haushalte. Zudem forderte er, dass Deutschland von der lockeren Finanzpolitik wegkommen müsse. Die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse müsse 2023 wieder eingehalten werden. Im Haushalt müssten dann Prioritäten gesetzt werden. Das bedeute vor allem, die geplanten Vorhaben aus dem Ampel-Koalitionsvertrag müssten in eine Reihenfolge zur Umsetzung gebracht werden.

Der Ökonom Carl Christian von Weizsäcker hält es sogar für möglich, dass die offiziell gemessene Inflation im Nahrungsmittelbereich noch untertrieben ist, weil bei manchen der besonders vom Krieg betroffenen Lebensmittel die Regale in den Supermärkten zum Teil zeitweise leer waren – und eine Preiserhebung damit erschwert wurde.

Preise für Energie fallen zum Teil sogar gegenüber März

An den Tankstellen waren die Preise zuletzt nicht mehr ganz so hoch wie um den 10. März herum. Der Preis für Super E10 sank im Schnitt von 2,20 Euro auf 1,96 Euro je Liter, Diesel verbilligte sich von 2,31 Euro auf 2,02 Euro je Liter. Gleichwohl sind das im historischen Vergleich und auch im Vergleich zum Vorjahr weiter außergewöhnlich hohe Preise. Auch der Preis für Rohöl, der nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine auf fast 130 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) hochgeschnellt war, beruhigte sich wieder etwas und lag zuletzt bei 105 Dollar. Immer wieder aber können Nachrichten aus dem Kriegsgeschehen und zu den Sanktionen ihn auch hochtreiben.

Etwas detailliertere Zahlen zur Preisentwicklung bei einzelnen Produkten haben die Statistischen Landesämter veröffentlicht. In den Zahlen für das meistens recht repräsentative Nordrhein-Westfalen zeige sich, dass vor allem der kräftige Anstieg der Preise für Nahrungsmittel und in geringerem Masse auch für Pauschalreisen den Rückgang der Ölpreise von ihrem Gipfel im März mehr als ausgeglichen habe, sagt der Ökonom Holger Schmieding vom Hamburger Bankhaus Berenberg.



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