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Golfer Scottie Scheffler: Tänzer am Ball – Sport


Sechs Jahre ist es her, da spazierte Scottie Scheffler noch im Freizeitlook über die Anlage des Austin Country Clubs. Sein T-Shirt hing aus der Hose, er hatte eine Kappe auf und posierte mit seiner Freundin Meredith für ein Erinnerungsfoto – wie man das so macht als ganz normaler Zuschauer auf der PGA Tour. Scheffler nutzte damals die Gelegenheit, dass die besten Spieler der Welt für ein Turnier nach Austin kamen, wo er an der University of Texas studierte. Er wollte damals von ihnen lernen. Nun, im März 2022, ist er selber der Beste.

Nachdem er am Sonntag den Sieger-Pokal beim Dell Matchplay Championship entgegengenommen hatte und feststand, dass er ab Montagmorgen die Weltrangliste im Golf anführt, posierte Scheffler wieder für ein Erinnerungsfoto. Die Kappe stammt mittlerweile vom Sponsor, Meredith ist nicht mehr seine Freundin, sondern seine Ehefrau, ansonsten ist der 25-Jährige weiterhin derselbe bärenhafte Typ mit freundlichem Lächeln und klaren Prioritäten.

Schon zu Uni-Zeiten galt er als eines der größten Talente

Als er zum traditionell auf dem 18. Grün geführten Fernseh-Interview gebeten wurde, vertröstete Scheffler die Kameraleute, dann nahm er nacheinander seine Frau, seine Schwester, seinen Bruder, seine Eltern und seine Freunde in den Arm, Tränen kullerten ihm über die Wangen. Sein Vater, einer der wenigen, die ihn noch Scott nennen, gab ihm im Moment des Sieges den Satz mit auf den Weg, dass er stolzer darauf sei, was für ein “wundervoller junger Mann” sein Sohn sei, als darauf, wie gut er Golf spiele.

“Es ist ein Traum für mich, dass ich in meiner Heimat gewinne”, sagte Scheffler: “Ich habe so viele Erinnerungen daran, wie es war, als Zuschauer hier zu sein – dass ich hier mitspielen kann, ist schon besonders.”

Die Nummer eins der Golf-Weltrangliste zu übernehmen, ist der vorläufige Höhepunkt eines beeindruckenden Aufstiegs. Scheffler galt schon zu Uni-Zeiten als eines der größten Talente in den USA, das allein führt einen jedoch nicht in die Weltspitze. Er musste sich den Weg hart erarbeiten, 2019 qualifizierte er sich für die höchste US-Tour. Er spielte gut, schaffte es im vorigen Jahr bei drei der vier Major-Turniere in die Top-Ten und war Teil des amerikanischen Ryder-Cup-Teams. Aber anders als die jungen Überflieger Collin Morikawa oder Viktor Hovland brauchte Scheffler einige Zeit, um eines der Turniere, bei denen er gut spielte, zu gewinnen.

Nun startete er durch – mit drei Siegen und einer nahezu perfekten Serie

Genauer gesagt dauerte es 70 Turniere lang, bis Anfang Februar diesen Jahres. Dann folgte eine Serie, die seit Tiger Woods besten Zeiten kaum jemand zustande gebracht hat. In Phoenix, Arizona, gewann Scheffler sein erstes Turnier, in der Woche darauf wurde er Siebter in Los Angeles, bei seinem nächsten Start in Bay Hill, Florida, gewann er wieder, drei Wochen später folgte nun der nächste Sieg. Mit anderen Worten: Scheffler hat zuletzt häufiger gewonnen als nicht gewonnen und ist zum dominanten Spieler der Tour geworden, was ihm Vergleiche mit Woods einträgt – obwohl die nicht zwingend passen.

Für Woods und seinen Vater, den erfolgsorientierten Trainer Earl, war immer der Status als Nummer eins das Ziel, es ging um Perfektion. Scheffler beschreibt sich zwar selbst auch als “extrem kompetitiv”, zuletzt erzählte er, dass er als Jugendlicher immer schon in langen Hosen Golf spielte, weil er die Profis nachahmen wollte. Ansonsten aber ist er ein lockerer Zeitgenosse, kein getriebener Perfektionist. Und sein Vater liebt ihn ganz offensichtlich nicht wegen seiner Fähigkeiten als Golfer, obwohl die selbstverständlich für Scheffler sprächen. Er spielt herausragendes Golf, wenn auch auf etwas unkonventionelle Art und Weise: Wenn er den Ball trifft, schwingt sein Fuß nach außen, fast so als würde er einen Tanzschritt machen. Im Vergleich zu Woods’ kraftvoller Perfektion ist Schefflers Bewegung jedenfalls eher kurios – aber ebenso erfolgreich.

Als Scheffler nun am Sonntag endlich die Umarmungen verteilt und die Tränen verdrückt hatte und Zeit für sein Interview fand, wurde er auch danach gefragt, was ihm persönlich nun der Status als Nummer Eins bedeuten würde. Scheffler wirkte mit der Situation nun etwas überfordert, er kratzte sich am Kopf: “So weit” wie jetzt, bis an die Spitze der Golfwelt, sei er in seinen Träumen einfach nie gekommen.



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