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Basketball-EM: Am Ende vergibt Deutschland den Vorsprung – Sport


Bundestrainer Gordon Herbert schlurfte schweren Schrittes zu Sergio Scariolo und reichte dem spanischen Kollegen die Hand, dem Sieger. Es half ja nichts. Denn trotz einer neuerlich begeisternden Leistung der deutschen Basketballer war der Weltmeister in einer nervenaufreibenden Schlussphase zu abgezockt und zog nach einem 96:91 nicht unverdient in das Endspiel der Europameisterschaft gegen die Franzosen ein. Die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds (DBB) verabschiedete sich erhobenen Hauptes aus dem Kampf um den Titel und kann am Sonntag im Spiel um Platz drei gegen Polen (Sonntag 17.15 Uhr, Liveticker SZ.de) Bronze gewinnen.

Die Spanier hatten das Spielfeld mit einer beeindruckenden Bilanz betreten, in den vergangenen elf EM-Turnieren hatten sie jeweils mindestens das Halbfinale erreicht und dreimal den Titel (2009, 2011, 2015) gewonnen. Alle Erfolge indes, auch der WM-Triumph von 2019, fielen noch in die Ära der sogenannten goldenen Generation. Von der allerdings war nur ein einziger Akteur verblieben, der 37-jährige Rudy Fernandez – und eben der italienische Erfolgstrainer Scariolo, der nun einen weiteren Finalrun erlebt. “Im letzten Viertel hätten wir physischer sei müssen”, haderte Deutschlands Kapitän Dennis Schröder. Dass dies ausgeblieben war, sei aber auch dem starken Gegner geschuldet gewesen.

Die neue spanische Auswahl ähnelt der deutschen, beide Teams haben jeweils drei NBA-Akteure im Team, aber keinen herausragenden Akteur, auf den das Spiel zugeschnitten ist. So waren es auf spanischer Seite wie erwartet Spielmacher Lorenzo Brown und Willy Hernangomez, die das Offensivspiel prägten – und ihre Auswahl zu einem Neun-Punkte-Vorsprung (32:41) führten. Doch dann besann sich die deutsche Auswahl ihrer prägenden Eigenschaft – die Abwehr packte zu. Allen voran Nick Weiler-Babb und Johannes Thiemann warfen sich nach jedem Ball, was sich im Basketball stets sofort positiv auf die Offensive auswirkt: Plötzlich fielen die Dreier von Andreas Obst, der alles überragende Schröder (30 Punkte) traf sowieso aus allen Lagen.

In dieser Phase knüpften die vorher etwas verhalten wirkenden Deutschen an die herausragende Leistung aus dem Viertelfinale gegen Griechenland an – und sofort sprang der Funke auf die 14 073 Zuschauer in der ausverkauften Arena über. Mit einem 14:0-Lauf drehte die DBB-Auswahl das Geschehen und ging mit einer 51:46-Führung in die Kabine.

Aber auch nach dem Wechsel fanden die Spanier wieder schneller ihren Rhythmus und holten sich die Führung zurück (61:57). Auch wenn die nimmermüden Weiler-Babb und Thiemann nicht aufhörten, mit ihrem giftigen Abwehrspiel die entscheidenden Impulse zu geben. Und wieder übertrug sich das auf die Offensive, vor allem Franz Wagner sammelte nun Punkte. Und abermals traf Schröder aus allen Lagen. Vor dem letzten Viertel lagen die Gastgeber wieder vorne (71:65), die Partie blieb hochklassig, intensiv und spannend.

Denn die Spanier hielten weiterhin auf hohem Niveau dagegen – und Coach Scariolo beorderte Juancho Hernangomez aufs Feld zu seinem Bruder Willy, die beide in der NBA spielen. Der stand fortan defensiv wie ein Fels und machte wichtige Punkte (11). Dieses Mal konnten die Deutschen nicht mehr kontern.

Gegner im Spiel um Bronze ist nun Polen, das in einer völlig einseitigen Partie dem Olympia-Zweiten Frankreich 54:95 unterlag. Man musste sich schon fragen, wie diese polnische Mannschaft im Viertelfinale Titelverteidiger Slowenien um Luka Doncic hatte ausschalten können. Frankreichs Trainer Vincent Collet konnte es sich sogar leisten, Schlüsselspieler zu schonen. Was seinem Team im Finale vielleicht zugute kommt, denn die deutsche Mannschaft hat den Iberern alles abverlangt.



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